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Abschiede sind traurig
Nach 25 Jahren Engagement verabschiedet sich SOS-Rassismus-NRW auch mit einem blauen Auge, nämlich meinem. Mein Name ist Xenia. Ich lebe mit Stefanie, Ralf-Erik, Maj-Leena, René, Emily und Oiva unter e inem Dach. Im September, wenn dann noch all die Leute von SOS-Rassismus kommen und den Kalender machen, sitzen die in unserem Wohnzimmer an den Combjutern und diskutieren und lachen und quaken bis in die späte Nacht hinein und morgens werden sie dann nicht wach und schlafen einfach weiter und kümmern sich nicht richtig um uns Kinder. Na ja, weil alle noch geschlafen haben wollte ich gestern zur Emily spielen gehen und habe das Kabel von dem Laptop nicht gesehen und da ist der heruntergekommen und hat mich angesprungen und jetzt habe ich eine dicke Beule und ein blaues Auge. Da hab ich mal richtig Krach und Radau gemacht und alle erschreckt – von wegen supergute Projekte machen und ganz toller Antirassismuskalender … wenn wir Kinder davon blaue Augen und lauter Macken am Kopf bekommen... So geht das nicht weiter. Also haben wir ein Abkommen beschlossen, dass nämlich der nächste Kalender für das Jahr 2009 noch gemacht wird, dann aber ist Schluss, dann sind wir Kinder dran ... Jetzt sucht SOS-Rassismus-NRW eine Gruppe, die den Antirassismuskalender selber macht und für alle herausgibt und dafür das Know-how und alle Datensätze bekommt. Wer sich so was vorstellen kann meldet sich direkt unter: kontakt@sos-rassismus-nrw.de beim Ralf-Erik, der hilft Euch und zeigt wie es geht. Also, bitte denkt darüber nach und meldet Euch und wenn Ihr wollt könnt Ihr mir gerne wegen meinem Veilchen eine Tüte Gummibärchen schicken. Herzerfrischende Grüße von Xenia
Ein Zebra* wird ausgewildert.
SOS-Rassismus-NRW verabschiedet sich.
Aufgabe von SOS-Rassismus-NRW war und ist es, sich mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu verständigen, um möglichst mit allen Sinnen zu begreifen, zu erfahren und zu verstehen, was Sinn macht, Wert hat, als Regel taugt und deshalb für alle gelten soll und kann.
Deshalb ging und geht es darum, Methodenrepertoires, Thematisierungswege und konstruktive Konfliktlösungen zu entwickeln, auszuprobieren und zu realisieren, damit Kinder, Jugendliche und Erwachsene selber herausfinden, was gut oder schlecht für sie ist und damit sie auf Gewalt und Rassismus als scheinbare Lösungsmittel nicht zurückgreifen müssen.
Vor 25 Jahren, 1983 entstand unter dem Dach des Amtes für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen in Haus Villigst die Initiative SOS-Rassismus-NRW (SOS-R-NRW), als zwei Jugendzentren in NRW angesichts r echtsextremistischer Entwicklungen gegenseitige Hilfe suchten. Die einen (Jugendzentrum (JUZ) Tempel in Duisburg) bekamen Probleme mit rechtsextremistischen Stahlarbeitern, die damals in Duisburg – Rheinhausen angesichts der Schließung des Krupp – Stahlwerkes drohten, bei einem Arbeitsplatzverlust „alle türkischen Arbeiter aus dem Werk zu knüppeln“. Die anderen (JUZ Ludwig – Steil – Haus in Wattenscheid) hatten Probleme, weil sich in ihrem Stadtteil die NPD – Landeszentrale angesiedelt hatte und mit gefährlichen Versprechungen und Parolen Jugendliche anlockte. Beide JUZ hatten gemeinsam ein Problem: nämlich die sich häufenden rassistischen und rechtsextremistischen Parolen und Wandschmierereien in der je eigenen Stadt. Gesagt, betrachtet und getan, nach einem langen Wochenende mit vielen Jugendlichen aus beiden JUZ gab es damals und für lange Zeit so gut wie keine rechtsextreme Parolen in den beiden Städten mehr …
Weil viele Gruppen, Menschen und JUZ solche oder ähnliche Probleme hatten, bildete sich schnell die Idee heraus, das oft geheime Wissen und „Know-how“ dieser zu sammeln, zu reflektieren, zu bündeln und weiter zu vermitteln.
Gemeinsame Treffen, gemeinsame Aktionen und Workshops waren der Start für eine Initiative und ein Bündnis von zuweilen weit über 250 Gruppen in NRW und darüber hinaus. Als ein wichtiges Motto in der oft schwierigen Arbeit, um Alltagsrassismus und Alltagsgewalt in all ihren Erscheinungsformen aufzugreifen, wahrzunehmen, beim Namen zu nennen und abzubauen war das Bemühen:
Klar in der Sprache - mässigend im Ton.
Ziel war es immer, durch für alle Beteiligten spannend - attraktive, erfahrungsbezogene, lösungsoffene, lebensweltorientierte, sozialräumlich angelegte, integrationsfördernde und perspektiveneröffnende Aktionen und Initiativen wirkungsvoll und nachhaltig zu sein. Hauptaugenmerk war dabei sehr häufig der Versuch, komplexe Zusammenhänge durch „didaktische Reduktion“ auf den Punkt zu bringen und von dort her neu zu eröffnen und zu bearbeiten.
Nach 25 Jahren bereiten wir heute gelassen den Abschied von SOS-Rassismus-NRW vor, weil
- in der 25jährigen Begleitung von vor allem Jugendinitiativen und von mehreren Generationen von Jugendlichen die beteiligten (Haupt-) Akteure nicht jünger geworden sind …
- die „Liebe uns oft in die Quere kam“ und viele engagierte Leute neue Horizonte entdeckten, überschritten und weit über das Land hinaus neue Initiativen selber ins Leben riefen (siehe z.B.: www.israel-international.de/SOS/index.html )
- sich viele Akteure von SOS-R-NRW heute in eigenen und neuen, ausdifferenzierten Themenfeldern engagieren
- das Hauptziel von SOS-Rassismus-NRW, die öffentliche Thematisierung von Rassismus in allen seinen Formen aus der Tabuzone (… Rassismus gibt es in Deutschland nicht – wir leben ja nicht mehr unter den Nazis …) erreicht ist
- mit Unterstützung und in Kooperation von SOS-Rassismus-NRW sich viele neue Initiativen gegründet haben und erfolgreich wirksam sind
- sich viele Initiativen und Menschen aus Zuwandererfamilien selber organisiert haben und sich mittlerweise selber zu helfen wissen
- sich die Auseinandersetzung mit Rassismus (und dem dahinter liegenden Versuch, Gewalt zu rechtfertigen) heute sehr breit ausdifferenziert hat und von vielen unterschiedlichen (auch staatlichen) Initiativen getragen wird (so verleiht z.B. der Jugendminister NRW seit Jahren den „Goldenen Hammer“ für SOS-R-NRW, so gibt z.B. die Staatskanzlei NRW seit Jahren unseren Antirassismuskalender mit heraus und häufig greift das Innenministerium NRW auf Texte, Argumentationen und Materialien von SOS-R-NRW zurück)

- selbst z.B. in der CDU das Thema Rassismus angekommen ist und bearbeitet wird (siehe den Versuch von Angela Merkel 2005, den EU-Beitritt der Türkei und damit viele türkische Menschen als Wahlkampfmunition zu missbrauchen / Unterschriftenlistenaktion gegen den EU-Beitritt / und den erfolgreichen Stopp dieser Aktion von Mitgliedern der CDU aus der CDU heraus)
- sich aus den Initiativen und Menschen von SOS-Rassismus-NRW eine neue, weiterreichende Initiative und Organisation, die Gewalt Akademie Villigst entwickelt hat und fachlich, professionell und offensiv Rassismus mit dem dahinter liegenden Themenfeld Gewalt konstruktiv bearbeitet
- es einfach auch mal Zeit wird, dass neue Leute mit neuen Ideen neue Zugangswege und neue Szenen zur konstruktiven Bearbeitung von Gewalt und Rassismus entwickeln und auf den Weg bringen …
 Wir werden uns in den Jahren 2007 - 2008 auf die Suche machen, um wichtige und beständige Initiativen von SOS-R-NRW verlässlichen Partner/innen anzuvertrauen; so geht das Marokko-Projekt in die Verantwortung des JUZ Tempel in Duisburg über, der „Goldene Hammer“ in die bewährten Hände des Landesjugendringes NRW, die Edition Zebra und die Seminar- und Trainingspraxis an die Gewalt Akademie Villigst, für den Antirassismuskalender suchen wir zur zeit eine neue Herausgebergruppe, die Ruhrkanaker wissen zwischenzeitlich selber was sie wollen; die jugend- und integrationspolitischen Aufgaben werden schon jetzt von vielen anderen Gruppen fachlich und verantwortungsvoll wahrgenommen.
SOS-Rassismus-NRW hat für viele Menschen und Initiativen als Orientierung, Mutmacher, zündender Impulsgeber und Ideenspender gewirkt. Wichtige Stationen der Geschichte lassen sich knapp benennen:
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